Wie eine Gefangennahme zu einer langen Freundschaft führte

Haus

„Tatort Baustelle: Freiheitsberaubung mitten in Berlin!“ So hätte an einem schönen Sommertag vor 13 Jahren die große Schlagzeile lauten können. Eine Episode, über die wir heute lachen – nicht jedoch an diesem Samstag vor 13 Jahren …

Es war ein schöner Sommertag und wir hatten Baustellenberatung: eine Altbausanierung in der Senefelderstraße im Berliner Prenzlauer Berg.
Eine liebe Kundin hatte in diesem Haus bereits ihre Wohnung vor Sanierungsbeginn beurkundet. Sie schaute immer mal wieder vorbei, da sie die Entwicklung des Hauses und die ihrer Wohnung als sehr beeindruckend empfand.

Auch an jenem Samstag war sie gespannt auf die Fortschritte und wir begleiteten sie durch die Baustelle in ihre Wohnung. Dort bat sie darum, ob wir sie eine Zeit allein lassen könnten. Sie wolle die Wohnung auf sich wirken lassen und ihre Einrichtungspläne durchdenken. Kein Problem, wir waren ja noch im Haus zur Beratung anderer Kunden.

Die Zeit verging. Als wir mit den anderen Gesprächen nach vielen Stunden fertig waren, schlossen wir unser Büro und die Baustelle einbruchssicher ab – im guten Glauben, dass sich unsere Kundin längst auf dem Heimweg befindet und sich nur nicht verabschiedet hatte, weil sie uns nicht stören wollte. Wir freuten uns auf den Feierabend.

Der Hilferuf erreichte uns kurz vor unserer Wohnung. Sie ahnen es: Anders als erwartet hatte unsere Kundin die gesamte Zeit in ihrer zukünftigen Wohnung verbracht, um im Geiste ihre Einrichtung zu perfektionieren, um dann festzustellen, dass sie auf der großen Baustelle allein war – und auch gefangen, denn wenn Weissenbergers eine Baustelle einbruchssicher verschließen, dann gibt es kein Entrinnen. Zunächst versuchte sie, durch die einzelnen Etagen einen Ausgang zu finden. Über das Gerüst zu klettern hielt sie – Gott sei Dank – für keine gute Idee. So blieb unserer Gefangenen tatsächlich nichts anderes übrig, als uns anzurufen. Wir kehrten sofort um. Ein Lächeln zur Begrüßung ließ die Anspannung sinken.

Gemeinsam schlenderten wir zum Kollwitzplatz, genehmigten uns ein dickes Eis und vergaßen im netten Plauderton auch hier die Zeit. Unser Eis war längst gegessen und die Abendsonne schien noch warm, als wir uns verabschiedeten. Diese wunderbare Freundschaft, die mit einer ganz besonderen Situation begann, begleitet uns jetzt schon 13 Jahre. Nicht ohne ein großes Dankeschön für das Vertrauen und eine Freundschaft, die uns viel bedeutet, möchten wir diese Geschichte abschließen – einbruchssicher, versteht sich …