„Sehr geehrter Herr … oh …“

Momentaufnahme

Diesen Tag wird Traudl Weissenberger wohl nie vergessen: Sie ist gerade ganz frisch im Immobiliengeschäft, da klingelt das Telefon – und am anderen Ende ist ein international bekannter Fernsehkorrespondent der ARD. Ein Prominenter auf der Suche nach einer Immobilie in Berlin – was für eine tolle Chance. Die junge Maklerin steht innerlich stramm am Telefon. Akribisch bereitet sie danach eine Angebots-E-Mail vor, feilt filigran an jeder Formulierung, kontrolliert alle Preise und Angaben mehrfach. Kurz nach dem Klick auf „Senden“ möchte sie jedoch am liebsten im Boden versinken …

Was war passiert? Vor lauter Aufregung hatte Traudl Weissenberger zwar ein Top-Angebot mit exzellenter Beratung verfasst, hervorragend formuliert und ohne den kleinsten Tippfehler, auch alle Anhänge waren der E-Mail ordnungsgemäß beigefügt, die Mail-Adresse des damaligen Moskau-Chefkorrespondenten der ARD stimmte auch. Aber ausgerechnet bei der persönlichen Ansprache, die im Beratergeschäft so wichtig ist, war Traudl Weissenberger ein Fauxpas unterlaufen: Die E-Mail begann mit den Worten: „Sehr geehrter Herr Moskau“. Wie unangenehm. Ausgerechnet bei diesem so prominenten Interessenten! Wie sollte sie ihm jemals wieder in die Augen blicken, vor dem Fernseher bei den „Tagesthemen“?

Nun möchten Sie bestimmt gern wissen, wie die Geschichte ausging. Kam am Ende ein Geschäft mit „Herrn Moskau“ zustande? Bisher ein wohlgehütetes Geheimnis. Aber wenn Sie beim nächsten persönlichen Gespräch oder Telefonat am Rande mal danach fragen, verrät es Ihnen „Frau Berlin“ bestimmt …

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