“Die 7 vorn gefällt mir gar nicht”

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Termin mit einem prominenten Schauspieler: Letzte Besprechung zum Kauf einer Wohnung kurz vor dem Notartermin. Entspannte Atmosphäre bei einem Espresso, der Kaufpreis von 700.000 Euro ist gesetzt, die Unterschrift nur noch eine Formalie. Und dann plötzlich dieser Satz: „Herr Weissenberger, mir gefällt etwas an dem Vertrag nicht.“ Was es war? Und was dann passierte? Lesen Sie selbst.

Ein Wohnungsverkauf an einen prominenten Schauspieler – das hat man nicht alle Tage. Aber nicht nur deshalb ist uns der Verkauf einer Wohnung in Berlin vor rund 10 Jahren besonders im Gedächtnis geblieben.

Es handelte sich um ein Penthaus zum Erstbezug nach Sanierung mit Aufzug und großer Terrasse. Die Kaufsumme für die Wohnung in Berlin – Prenzlauer Berg lag bei 700.000 Euro – heute ein absoluter Traumpreis. Alle Verhandlungen und auch die Kaufvertragsbesprechung liefen über den Manager des Schauspielers und waren bereits abgeschlossen: Wir waren uns handelseinig, der Notartermin war bereits anberaumt.

Kurz vor der Beurkundung trafen wir uns persönlich mit unserem Kunden auf einen Espresso beim Italiener um die Ecke. Nach einem anregenden Eingangsgespräch nahm der Schauspieler einen Zug von seinem Espresso, setzte die Tasse ab, beugte sich langsam nach vorn und sagte: „Herr Weissenberger, also mir gefällt etwas an dem Vertrag gar nicht, da müssen wir noch eine Kleinigkeit besprechen.“

Natürlich war uns bewusst, dass es sich bei dieser besagten Kleinigkeit nur um den Kaufpreis handeln konnte. Ebenso war uns bewusst, dass eine Kaufpreis-Diskussion kurz vor einer notariellen Beurkundung zu einem denkbar schlechten Zeitpunkt kommt. „Die 7 vorn, Herr Weissenberger, die gefällt mir gar nicht“, fuhr der Schauspieler fort. Tut sich da auf den letzten Metern überraschend noch eine neue Hürde auf?

Natürlich nicht, denn wir hatten sekundenschnell eine Lösung parat. Statt 700.000 Euro änderten wir den Preis direkt – auf 699.500 Euro. Unser Kunde hatte schließlich recht: So eine 7 ganz vorn, die kann in bestimmten Konstellationen eine sehr schlechte Aura verbreiten. Aber so etwas lässt sich bei einem Espresso doch schnell aus dem Weg räumen – „aussieben“ sozusagen.

Der Notar staunte ein wenig angesichts der ungewöhnlichen Preiskorrektur kurz vor knapp, aber die Beurkundung fand statt und alle Seiten waren glücklich und zufrieden. Es bewahrheitete sich einmal mehr das, was man auch aus einer guten Ehe kennt: Wenn das Vertrauensverhältnis stimmt, kann auch eine verflixte Sieben nicht viel ausrichten.

(Bildquelle: Olena Yakobchuk / shutterstock.com)